Krawall und Remmidemmi

Auf den Straßen herrscht ein rauer Wind. Nicht nur, weil es derzeit stürmt und regnet, sondern besonders aufgrund der sozialen Umbruchsstimmung. Seit einiger Zeit gibt es in Deutschland die Debatte über die Zukunft beziehungsweise den Untergang der Unterschicht-  im Sinne von in den Vordergrund rücken, anwachsen, aber trotzdem keine Besserung erfahren.

Fehlende Bildung sei schuld, fehlendes Engagement, fehlendes Selbstvertrauen, fehlende Zukunftsaussichten. Die Gründe sind zahlreich und prangern so ziemlich alles an, was auch nur als geringer Grund angesehen werden kann.

 

Die sozial Benachteiligten seien es, die sich immer mehr abgrenzen. Doch hier muss auch erst einmal eine Abgrenzung her: Wer sind diese ominösen „sozial Benachteiligten“? Ist es die Gruppe in Deutschland, der mittlerweile 12% der Bevölkerung angehören- jene Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben? Also jeder Achte, jeder, der weniger als 938 Euro (Stand: 2006; Quelle: heuteblog.de, FAZ.net, morgenpost.de) zur Verfügung hat, beziehungsweise jeder Fünfte in Ostdeutschland.

Oder sind es die, die vom Staat sozial unten gehalten werden? Nicht nur die ALG II- Empfänger, die weit unterhalb der Armutsgrenze leben, sondern auch die Asylbewerber, die eine erniedrigte (ja, so ist tatsächlich der Terminus) Sozialhilfe empfangen. Doch halt, Moment, die gehören ja nicht offiziell zur Bevölkerung, obwohl sie am Staat nicht nur optisch, sondern auch konsumtechnisch beteiligt sind. Sie sind keine Urlauber, sondern versuchen, Mitglieder in der Bundesrepublik Deutschland zu werden. Also gehören sie auch dazu. Aber wiederum: Die ALG II- Empfänger gehören doch schon zur Armut, oder? Kann man das nicht auch irgendwie abgrenzen?

Nein, denn es ist unmöglich, eine hundertprozentige Trennung zu schaffen- die Mitglieder der einen Gruppe können ziemlich leicht auch zur anderen gehören. Und somit fehlt es an einer messerscharfen Definition der „sozial Benachteiligten“. Du, ich, ja alle können dazugehören. Und einige von uns tun es bereits.

 

Gut. Das mal nebenbei. Aber was tun, um aus dieser Schicht, die von einigen Politikern als auszumerzen betrachtet wird, herauszukommen? Harte Arbeit? Mehr Bildung? Jede Menge Disziplin? So hat es zumindest der Alt-Kanzler Schröder (Welt, 31.10.2006) gefordert, der sich aber mittlerweile in so ziemlich alles einmischt, was ihn nicht betrifft. Als Aufsichtsratsmitglied bei GazProm, Bestsellerautor und pensionierter Politiker (ist er dann eigentlich auch MdB a.D.?) hat er bestimmt keine Angst, mal in der Hartz IV- Grube zu landen…

 

Wenn jemand aus dem falschen Elternhaus, also aus der falschen sozialen Schicht kommt, wird ihn kaum jemand ernst nehmen wollen. Denn schon in der Bewerbung für den Ausbildungsplatz muss man seit geraumer Zeit – zugegebenermaßen nicht unumstritten – seine soziale Herkunft offen legen.

 

Doch was, wenn die Zahl derer, die in Armut leben, noch ansteigt? Die Chance dafür ist hoch, denn die Kluft zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Schon jetzt besitzen „50 Prozent der Haushalte weniger als vier Prozent gesamten Nettovermögens“ in Deutschland, wobei zehn Prozent der Bürger Deutschlands über 50 Prozent des Nettovermögens verfügen (Stand: März 2005; Quelle: FAZ.net). Umbruch kann die Folge sein, die Geschichte zeigt, dass mit steigender Unzufriedenheit, die einher mit sozialem Abstieg und sozialer Unsicherheit geht, die Gefahr von Auflehnung und der Wunsch nach Veränderung drastisch ansteigen. Und dies nicht immer nur mit pazifistischen Mitteln.

 

Was also wird die Folge der derzeitigen Um- und Missstände sein?

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Ein Gedanke zu “Krawall und Remmidemmi

  1. Aber ist es nicht zu einfach, schlicht zu behaupten, die Probleme würden sich durch einen Umbruch oder eine Revolution oder etwas ähnliches klären?

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