Das sechzehnte Türchen

Ich habe mir selbst den Auftrag gegeben, mich heute kurz zu fassen. Ich bin zu ausufernd, zu langatmig und mach einfach zu lange. Furchtbar, wenn Leute nicht auf den Punkt kommen. Ich war heut im E_D_K_ (kleines Galgenmann-Rätsel) und stand an der Kasse. Nicht viel in meinem Korb (Bier, Pizza, Zeitung, Kippen) habend, wurde ich von einer alten Frau vorgelassen, die für sich und ihre zehntausend Katzen einkaufen war.

Und wie ich da so stehe, kommt ein Vater mit seinem Sohn daher, der Sohn ist laut zu hören, wahrscheinlich noch zwanzig Kilometer von hier.

Nicht, dass ich Kinder nicht mag, aber sie sollten manchmal einen Lautstärkeregler haben.Der Junge sieht den Weihnachtsbaum des Supermarkts, ein kleines, goldenes Plastikding, wahrscheinlich aus alten, benutzten Rettungsdecken hergestellt.

 „Papa? Was ist das da für ein Weihnachtsbaum? Wieso ist der so golden? Ist der wertvoll? Können wir auch so einen haben?“

Diese Fragen wiederholt er. Immer und immer wieder. Die Reihenfolge ist dabei variabel, die Tonlage konstant. Nachdem der Vater nicht den Anschein einer Reaktion unternimmt (wahrscheinlich ist er das schon gewöhnt), beginnt der Junge, die Leute in der Schlange mit genau denselben Fragen zu bombardieren.

Zuerst die alte Dame hinter mir. Sie reagiert ganz lässig, wahrscheinlich ist ihr Hörgerät defekt. Sie tätschelt seinen Kopf und ruft in der Lautstärke wie der Bengel:

„Hach, was bist du ein feiner Bub. Nein, was bist du ein feiner Bub.“

Sie schreien gegeneinander, jeder versucht, den anderen zu übertönen. Dann gibt der Junge auf. Und kommt zu mir.

„Was ist das da für ein Weihnachtsbaum? Wieso ist der so golden? Ist der wertvoll? Kann ich auch so einen haben?“

„Das ist ein Zauberweihnachtsbaum. Der ist unbezahlbar, denn der steht schon seit letzter Weihnacht hier. Und du kannst den selbst machen. Du musst nur den Baum zuhause so lange behalten bis der auch so gelb ist. Und schön schreien und strampeln, wenn Mama und Papa den wegwerfen wollen.“

Beglückt ob der Informationen geht er zurück zu seinem Papa und ich zurück nach Hause.

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