Das dreiundzwanzigste Türchen

Das war vielleicht eine Feier! Im alten Rom, im antiken Griechenland, überall dort wäre es als gute Orgie durchgegangen.

Die Büroschlampe machte sich über die drei Praktikanten her, der verheiratete Chef kotzte sein eigenes Büro voll, als er gerade die verheiratete Sekretärin nageln wollte und der Postjunge knallt wahrscheinlich noch immer die kleine Unscheinbare aus der Buchhaltung. Die Klischees sind nicht weit hergeholt, sie treffen zu.

Ich war mit meinem Kostüm der Bringer schlechthin, denn in der Annahme, dass wahrscheinlich alle anderen auch als Weihnachtsmann verkleidet gehen, haben sämtliche anderen Kerle sich als Nussknacker, Zinnsoldaten und wasweißichwas verkleidet. Ein Heidenfest, besonders für sie, da sie alle Blicke auf sich zog. Unter anderem versuchte der Playboy des Büros den ganzen Abend, sie anzumachen, was er nach einer endgültigen Drohung des Testikelverlustes dann doch lieber ließ. Diese Drohung kam aber nicht von mir, nein, nein. Sie kann sich selbst verteidigen.

Apropos Verteidigung: Ich war Geschenke kaufen. Und die Verteidigung des eigenen Lebens ist dabei von allergrößter Bedeutung. Die Menschen sind ja furchtbar. Können sie nicht die anderen 364 Tage des Jahres Weihnachtsgeschenke besorgen? Nein, sie müssen alle, aber auch wirklich alle, an EINEM Nachmittag in EINEM Laden stehen und alle Massen an Geschenke kaufen. Das ging mir so was von auf den Nerv. Mal wieder. Denn jedes Jahr nehme ich mir vor, das nächste Jahr schon Monate vorher auf die Suche zu gehen und eventuell schon im Mai das Geschenk für September zu kaufen. Dieses Jahr wurde wieder nichts draus. Aber nächstes auf jeden Fall. Den Stress tu ich mir nicht mehr an.

Geschenke habe ich eine riesige Zahl gefunden, ich schenke lieber, als dass ich nehme, denn dann muss man nicht so tun, als würde einem die hässliche Vase mit dem blauen Blumenmuster gefallen. Man sollte an Weihnachten nicht lügen, auch wenn man Weihnachten nicht mag. Also lieber geben. Denn Geben ist eh seliger denn nehmen.

Und jetzt muss ich den ganzen Kram auch noch einpacken. Sie ist natürlich schon seit Wochen fertig, musste angeblich nur noch ein paar Kleinigkeiten kaufen. Vielleicht geh ich jetzt gleich mal zu ihr und frage sie, ob sie nicht meine Geschenke einpacken will. Im Geiste der zukünftigen Weihnacht, sozusagen.

Morgen ist Weihnachten.

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