Liveblogging vom Sturm

Yeah, das Wetter an der Küste ist eines der besten. Ich liebe es, wenn es stürmt und regnet und richtig schön rumweht.Deshalb hier ein Livebericht: 

16:45 Uhr: Bin zuhause angekommen. Die Wassermassen, die ich in meinen Schuhen trage, würden reichen, die Sahara einmal zu begrünen. Die Wassermassen, die sich meine Beine hinaufbewegen, sind dermaßen groß, dass sich hier demnächst ein neuer Fluss bilden wird. Ich werde ihn „WarnZwo“ nennen. 

17:30 Uhr: Es stürmt gar nicht so stark da draußen, der Baum vor meinem Fenster wiegt sich gemütlich im Wind, der derzeit nur mit 43km pro Stunde die Ohren umweht (dem Wetterbericht von wetter.com glaube ich kein Wort, denn die berichten aus der Region Ückermünde und das ist doch ne Ecke weg. Nix da. Es ist eindeutig windiger!). Nix mit Sturm. Nur Regen. Und der in Massen. 

18:01 Uhr: Mein Licht flackert. Möglicherweise liegt es an dem Hacker unten im Haus, der sich mal wieder ins Kraftwerk einhackt. Oder an den anderen Studenten hier, die alle gleichzeitig den Fernseher eingeschaltet haben, um „Die Simpsons“ zu schauen. Am Sturm kann es nicht liegen, denn es weht, wie gesagt, nur lau. Soll ja noch erheblich schwerer stürmen nachher. Ich hoffe doch darauf. 

18:30 Uhr: Der Fernseher ging aus und wieder an. Sonst nichts. 

19:08 Uhr: Ich hege den Verdacht, der Sturm hat Mecklenburg vergessen. Schade. 

19:37 Uhr: Da fällt mir ein, dass ich gestern von der Fürstin gebeten wurde, nein, mit einem bestimmten Ton, keinen Unsinn zu machen. Ich sei ja so Gefahr liebend. Weiß gar nicht, was sie damit meint! Gerade wieder eine Warnung vom NDR. Spätestens in der Nacht sollen dann die 150kmh- Böen kommen. Da warte ich ja drauf. Und dann stürze ich mich hinein. *Muahahahaha* Mein Gott, was freu ich mich auf Winde, die mich vielleicht von den Füßen auf die Schnauze reißen. 

20:01 Uhr: Die Tagesschau warnt vor umher fliegenden Dachziegeln. Setz ich mit halt einen Helm auf. Und vor Sturmflut an der Nordseeküste. Hier kommt keine her. Höchstens die Strandstraße und Evershagen läuft wieder voll. Rostock ist an manchen Ecken und Enden wasserdicht. Lässt Wasser rein aber nicht mehr raus. Leider schon zehn Tote durch den Sturm. Das ist nicht gut.  

20:37 Uhr: Es weht und windet schon ein wenig, meine Zimmertür klappert im Wind. Ihr tut es ein rostiges Rostocker Eisentor draußen auf der Straße gleich. Wieso riecht es aus unserer Küche nach gekochtem Erbrochenen? Hm, könnte auch Blumenkohl sein. Ich habe beschlossen, nachher noch einen Test zu wagen, auf die Straße zu stürmen und… Ja, mal sehen, was. Ich lass mir was einfallen.Aber eines ist sicher: Nein, nicht die Renten. Die bestimmt nicht. Aber so langsam geht das Stürmchen los. Yippie! 

20:52 Uhr: Es drückt wie verrückt gegen mein Fenster. Er ruft mich, ich höre es ganz genau. Ja, ich komm ja gleich raus, spielen. 

21:20 Uhr: Der Regen prasselt gegen meine Scheibe, der Wind pfeift an der Mauer vorbei. Der Sturm ist da. Nicht nur vor meinem Fenster. Auch in anderen Stadtteilen wirft er Mülltonnen um und durch die Gegend. Der Sturm ist ein Vandale. Er ist mir sympathisch. 

21:33 Uhr: Einmal aus, einmal an, einmal aus, einmal an. Licht, Fernsehen, Netzwerk. Huihuihuihuihui. Da lacht die brodelnde Abenteuerlust. 

21:43 Uhr: Okay, das war jetzt das Netzwerk. Nach einem Rauswurf bin ich nun wieder auf Steinzeitalter zurückgeworfen worden. Die Geschwindigkeit meiner LAN-Verbindung ist unter dem Niveau eines Modems. Tja, der Sturm will, dass ich rauskomme und das Ganze live erlebe und nicht nur vom Fenster aus darüber schreibe.  

22:00 Uhr: So, die Windböen sind da, ich kann sie hören. Leider isses dunkel wie in einem Katzenarsch da draußen. Also kann ich sie nicht sehen. Ich kann mich nicht mehr zurück halten und stürme mal eine Runde nach draußen, danach berichte ich. Falls ich überlebe. Im Übrigen sichert so ein Liveblogging einem wirklich erhebliche Einschaltquoten, so hoch wie schon lang nicht mehr. Ich mache mich nun wetterfest und stürme dem Wind entgegen. War das grad eine Möwe, die ich kreischend an meinem Fenster vorbeifegen hörte? 

22:30 Uhr: Hach, nein, wie geil ist das denn? Ich würde am liebsten die ganze Nacht da draußen verbringen. Das ist wirklich so toll. Es stürmt nicht direkt. Nun gut, vielleicht ein kleines bisschen. Der wehende Wind wird manchmal von einer Böe unterstützt. Lediglich vier Leute begegneten mir auf dem Weg um den Blog (ach, nee, das wird ja anders geschrieben), ich machte sogar einen kleinen Mitschnitt des ganzen Spektakels. Leider sind meine Akkus zum In-die-Tonne-Treten, weswegen der Film auf der Hälfte endet. Ich stelle ihn mal schnell online, wenigstens den die ersten vier Minuten oder so. Leider konnte ich auch mein Experiment, das ich nach intensiver Planung vollführte, nicht mit auf den Film bringen, da die besagten Akkus sehr schnell den Geist aufgaben. Nur so viel: Der Wind kommt von West und von oben, die kleine, arme Plastiktüte, der ich Freiheit versprach, landete in einer Pfütze und setzte ihren Weg dann über Land fort. Hach, es ist so ein Spaß. Nachher gehe ich noch mal raus, den Spaß gönne ich mir. Dann vielleicht mit besseren Akkus. Und noch einer Tüte.  

23:05 Uhr: Das mit dem Video kann sich noch ziehen, hab ganz vergessen, dass ich mit Schneckentempo lade… Nun ja. Was soll’s. Hab übrigens vorhin versucht, mich in den Wind zu legen. Ergebnis: Wäre beinahe mit dem Gesicht voran in eine dreckige, tiefe Pfütze gefallen. Weht also doch keine hundertfuffzich Sachen. Aber immerhin. Das Netz sagt mir: Der Herr Malcolm ist ins Bett gegangen, dem war die Show zu langweilig. Die Frau Liz ist noch aktiv, jedenfalls hat sie sich nicht verabschiedet und der Herr Niemann sammelt munter weiter Eindrücke vom Sturm. Und musikalisch untermalt wird das Schauspiel von Dr. Katze und seinen Schergen. Weiter hab ich bis jetzt niemanden gefunden. Und langsam zieht es mich wieder nach draußen. Das wird dann wohl eine Nacht mit wenig Schlaf. Oder mit ohne. Ich sehe es schon kommen. 

23:40 Uhr: Das Video ist online. Aufgrund Ladungszeiten und dem ganzen Mist konnte ich leider nicht mehr am Ton rumfummeln, das hole ich aber demnächst (morgen???) nach, denn der Ton ist wirklich schlecht. Sehr schlecht. Und man sieht auch nicht soviel. Wirklich nicht. Eigentlich nichts. Aber es hat einen Heidenspaß gemacht, das zu Filmen.Ich werde nun noch eine Runde um den Blog (schon wieder, keine Ahnung, woran das liegt) drehen und dann mich mit anderen Sachen für den Abend beschäftigen.Ich bin (noch) nicht weggeweht, vom Dachstein oder Baum erschlagen oder sonst was worden. Scheint noch mal gutgegangen für mich. Der Sturm.Gut so. 

Ich verabschiede mich mit einem freundlichen „Gute Nacht!“ und hoffe, alle anderen haben auch so einen Spaß am Sturm wie ich. Herrlich, herrlich… 

 

16:32 Uhr am darauffolgenden Tag: Eine kleine Bestandsaufnahme!Es hat in Deutschland mächtig gewütet. Nicht überall, Rostock zum Beispiel blieb verschont. Dagegen sind sämtliche Züge in Deutschland von 19:00 Uhr bis halb fünf morgens stehen geblieben, Berlin (beziehungsweise ein kleiner Teil, der großartige Lehrter Bahnhof) wurde in Schutt und Asche gelegt. Fast. Beinah. Na, nicht ganz. Hier wehte es wie beschrieben ab zehn lustige zwei Stunden durch die Gegend, mehr war dann nicht los. Denn schon kurz nach Mitternacht war nur noch das altbekannte Hintergrundgeräusch der Hauptstraße wieder zu hören. Kein Sturm, kaum Schäden, nur leere Mülltonnen, die durch die Gegend wanderten. Mein Auto blieb heil, mein Kopf auch. Alles in allem: Für mich ein ereignisloser Sturm. Vielleicht zum Glück.Vielen Dank für die Aufmerksamkeit an diesem Sturmblogging. Hier noch ein kleines Bild, wie das Wetter derzeit aussieht.  

 

Jetzt grad draußen am Himmel.

 Guten Abend.

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4 Gedanken zu “Liveblogging vom Sturm

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