Nie zurück

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Du sitzt mir gegenüber, streichst dir immer wieder durch die Haare. Sie fallen sanft auf deine Schultern, verdecken dein Gesicht, sodass du wieder durch dein Haar streichst.

„Du kannst mir nicht einfach befehlen zu gehen. Ich höre nicht auf dich.“

Ich atme durch, nehme einen weiteren Schluck aus meiner Kaffeetasse.

„Es hat nichts mit Befehlen zu tun. Es ist eine Bitte. Bitte geh weg.“

Wieder streichst du dir die Haare aus der Stirn. Dein Tonfall ist hart, jegliche Freundlichkeit ist weit entfernt.

„Ich kann nicht so einfach gehen. Das weißt du. Ich bin nicht nur hier. Ich bin auch da drin.“

Du beugst dich zu mir herüber, mein Blick streift kurz deinen tiefen, sehr tiefen Ausschnitt, bevor ich ihn bewusst wieder in meine Kaffeetasse lenke. Du tippst gegen meine Brust, dein Finger wandert langsam aufwärts und tippt gegen meine Stirn. Du hast Recht. Du bist hier drin. Du bist in meinem Kopf.

Du bist nicht in meinem Herz. In meinem Herz ist jemand anderes. Das weißt du. Das akzeptierst du. Aber du kämpfst. Kämpfst um einen Platz in meinem Kopf. Und ich kämpfe dagegen an.

„Du gehörst da nicht rein. Du musst da raus. Bitte. Bitte geh. Geh und komme nie wieder.“

Du lächelst. Du lachst mich aus. Still. Ohne den Mund zu öffnen. Aber du lachst. Ich kann es in deinen Augen sehen.

„Du weißt, dass du mich da nicht raus kriegst, oder? Du versuchst es schon eine Weile. Und was bringt es? Du bist hier mit mir in meiner Küche, trinkst meinen Kaffee und rauchst meine Zigaretten. Du kommst nicht von mir los.“

Ich beobachte, wie die Zigarette im Aschenbecher herunter brennt und die Asche langsam durch die Luft weht.

„Verstehst du es eigentlich nicht? Ich will dich nicht. Ich will nicht deinen Körper und dein Geist ist mir noch mehr egal. Ich möchte, dass dein Bild aus meinem Kopf verschwindet und nur noch sie da ist. In meinem Kopf. In meinem Herz.“

Du ziehst an deiner Zigarette.

„Ich war noch nie in deinem Herz, oder?“

„Ich weiß nicht mal, wie du in meinen Kopf kommst.“

Du nimmst einen tiefen Zug und spülst den bitteren Rauchgeschmack mit deinem Kaffee herunter.

„Es ist einfach. Du gehst. Kommst nie wieder. Denkst nicht mehr an mich. Bewusst. Du versuchst einfach nicht mehr an mich zu denken. Und nach einiger Zeit wird das Bild verblassen. Ich bin dann einfach nur noch ein Geist.“

Du zündest dir eine weitere an. Gibst sie mir.

„Willst du das?“

Ich nicke.

„Ich weiß es nicht.“

Ich gehe und schaue nicht. Nie zurück.

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