Geweckt durch Straßenlärm. Dunkelheit, aber Straßenlärm. Vielleicht hat jemand die Laterne umgefahren. Würde beides erklären: Fehlendes Licht und fehlende Stille.

Eine leichte Drehung nach rechts, das richtige Rechts, nicht mein Rechts, und ich falle aus dem Bett auf den Boden. Erleichtert über gestrige Putzorgie halte ich vergeblich Ausschau nach Wollmäusen. Es ist sauber, ich überlege, meinen Schlaf hier unten fortzusetzen.

Doch der vermeintliche Lampenumschuppser setzt zurück, knallt ohrenscheinlich an ein parkendes Auto und braust mit Vollgas in die Nacht. Oder den werdenden Morgen.

Ein Zitat aus einem Buch von Håkan Nesser blitzt sich in meinen Kopf und die darin enthaltenen, zugegebenermaßen noch spärlichen Gedankengänge, „Der Regen und die Schatten“:

‚Der Tag ist der Fötus der Nacht. An diesem totgeborenen Morgen frühstücke ich in einem engen, grün tapezierten Speisezimmer, in dem sich die Gerüche und die Gegenstände die Waage halten.‘

Ich überlege kurz, mein Zimmer grün zu streichen, verwerfe den Gedanken. Ich habe keine passenden Schuhe dafür. Und Schuhkaufverbot von F., wenn ich mich recht erinnere. Oder ich erlegte es mir selbst auf…

Die Dusche hält glücklicherweise schon einen Eimer kaltes Wasser bereit, der Kopf wird klarer.

Den Espressokocher auf den Herd gehievt, die Schuhe angeworfen und langsam Richtung des Wohnblockbäckers. Er befindet sich weder in einem Wohnblock noch an einem Wohnblock. Ich jedoch schon.

Die Dame hinter dem Glastresen sieht gelangweilt aus, gähnt in ihre behandschuhten Griffel. Ich bestelle: für mich ein Croissant – „Darfs auch ein Schokocroissant sein?“ – „Nein. Nie. Nimmer mehr!“, für die Mitbewohnerin des Vertrauens ein Vollkornbrötchen – „Vielleicht ein Sonnenblumendinkel?“ – „Nee, lass ma.“, ein Milchhörnchen – „Vielleicht noch ein Rosinenbrötchen dazu?“ – verschwiegenes Kopfschütteln.

Wer hat eigentlich gesagt, dass man als Kunde gern Zusatzangebote haben will? Gestern schon im EDK von einer Kassierfrau vollgeschwatzt worden: „Haben Sie vielleicht auch Interesse an einem guten Fläschchen Chardonnay?“ Nee, da sauf ich lieber meinen Tetrapak-Rotwein. Oder … auch … nee.

Ich komme mir vor wie in einem italienischen Supermarkt, als wenn mich die Verkäuferinnen anschreien, wie ich es wagen könnte nicht dies und das zu kaufen. Ich will keine weiteren Angebote. Das, was ich haben will, benenne ich, alles andere kann mir gestohlen bleiben. Wo ist nur die Service-Wüste Deutschland hin? Wer kam auf die Idee, den Kunden könnte dies gefallen?

Egal. Espresso fertig, Eier gekocht, Croissant und gute Musik zum Frühstück. So muss ein Tag beginnen.

Die Planung für den Resttag steht auch schon: Lernen, Internettagebuchschreiben, lernen, Körper verkaufen, Kaffee trinken, lernen, lernen, lernen, Greys Anatomy mit einem der Engel und der Mitbewohnerin des Vertrauens. Auf großem Plasmafernseher.

Klingt nach einem guten Plan, ich bin gespannt auf Murphy, der mir sein dämliches Gesetz wieder zwischen die Beine hauen will, auf dass ich strauchele.

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