Kälte in Deutschland

Es ist viel zu kalt zum Aufstehen. Außerhalb des Zimmers sowieso. Und sogar außerhalb der Bettdecke. So kann das nicht weitergehen. Wo ist der Sommer? Sollte er dieses Jahr nicht doch noch kommen?

Der Wecker klingelte schon vor einer Weile, ich will ihn ignorieren, aber so wirklich klappt dies nicht. Er schellt in meinen Ohren nach. Sie bewegen sich sozusagen im Takt des Glockenschlägels… Furchtbares Gefühl, die Vibration des Ohres…

Ein Blick aus dem Fenster diktiert das heutige Modebewusstsein. Egal, was es ist, es muss warm sein. Denn die Welt ist überzuckert. Nicht so überzuckert wie auf dem Volksfest mit dicken, pluderigen Zuckerwattewolken auf einem Stäbchen, sondern mehr sanft, sacht. So wie der Krümelzucker auf den Berlinern.

Es hat gefroren. Undzwar mächtig. Und die aufgehende Sonne taucht die wabernden Nebelschwaden in ein angenehmes Orange. Man hat nicht übel Lust, durch die Gegend zu laufen und mit den Armen schwingend diese orangen Wolken zu durchsieben.

Die Arme aber angewickelt mache ich mich auf eine Frischlufttour durch Rostock, alles scheint verschlafen, allen ist kalt. Mir auch. Nach einer halben Stunde sagt das linke Knie „Mit ohne mir und ihm da drüben!“. Und so humpele ich nach Hause.

Dort angekommen höre ich leises Schnarchen. Sind die etwa noch nicht??? Na wartet. Ich stehle mir einen Kochtopf aus der Küche, eine Holzkelle dazu und laufe mit einem Heidenlärm durch die Wohnung.

„Aufstehen! Aufstehen! Die Sonne scheint, das Leben ist wachgeküsst. Aufstehen, ihr Penner.“

Verschlafen reiben die beiden sich die Augen. Gegenseitig. Irgendwas läuft da zwischen dem Engelchen und dem Teufelchen…
„Was geht’n hier?“ – „Ja, Alder. Mach ma nich son Krach!“ Ich grinse sie an. Ihre schlechte Laune kann ich riechen. Selbst neben ihrem schlechten Atem.

„Glaub ja nicht, dass du morgens nach Veilchen riechst.“ Unisono. Wie machen die das immer?

„Ihr Penner bewegt jetzt eure kleinen imaginären Ärsche aus meinem Bett, aus meinem Kopf und lasst mich arbeiten. Raus hier!“

Sie schauen sich an. Dann mich, dann wieder sich. Dann brechen sie in Lachen aus. „Hast du eine Extrapackung Elan zum Frühstück gehabt, oder was?“

Sie können gar nicht so schnell schauen, wie ich das Fenster geöffnet und sie hinaus geschmissen habe.

 Und als ich vom Duschen zurückkehre, in ein Zimmer, in dem der Rauhreif sich gerade von den Wänden zurückzieht, sehe ich, wie sie beide, dick eingemummelt in Decken und Jacken, sich ein Schläfchen auf dem Fensterbrett gönnen.

Deren Zeit und Arbeitswillen hätte ich gern.

Sonnenaufgang über Rostock

 

Advertisements

2 Gedanken zu “Kälte in Deutschland

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s