Das Spiel des Schicksals mit dem Leben des Justus Braun

[Vorab, weil Bedenken und Beschwerden kamen: Dieser Justus Braun existiert nicht. Er ist erstunken und erlogen, was diesen Text zu einer Geschichte macht. Danke für das Verständnis und die Aufmerksamkeit.]
[Teil 1]

Herr Braun ist die Ausgeburt der deutschen Ordnung.

Einmal traf er einen Lexikonverleger, der dem Begriff Ordnung noch ein Bild zuordnen sollte. In dem Moment, da er Herr Braun erblickte, war er erpicht darauf, sein Bild in sein neuestes Lexikon aufzunehmen.

Dass der Verleger sturzbetrunken war – es war eine kalte Silvesternacht – verschweigen wir an dieser Stelle.

Dass der Verleger ein Lexikon über Klischees herausbringen wollte, verschwieg er. Nichtsdestotrotz bestärkte es Herrn Braun in der Überzeugung seiner Person.

Er scheitelte sich tatsächlich von dem Tage an sein Haar noch ein bisschen strenger in der Mitte, stutzte seinen Schnurbart noch ein bisschen feiner und trat noch ein bisschen großspuriger auf als er es eh schon gewohnt war.

Herr Braun war ein Ekel. Es gab auch eine Serie, die ihn sehr gut beschrieb. Doch so komödiantisch die Serie auch war, so abgrundtief humorlos war Herr Braun. Er lachte nicht, wenn jemand einen Witz machte, er machte auch keine Witze.

Er kannte keine Schönheit und auch keine schönen Worte. Er kannte nicht einmal Freundlichkeit. Höflichkeit ja, Unterwürfigkeit ja, aber keine Freundlichkeit.

Herr Braun hatte eine Frau. Früher einmal hatte sie sich in ihn verliebt, weil er der Inbegriff der Tugenden war: arbeitsam, ordentlich, planend. Doch schon bald nach der Hochzeit begrub sie ihre Hoffnungen auf einen guten Ehemann. Wie Herr Braun seinen Geschäftspartnern begegnete, so begegnete er auch seiner Frau. Geschäftlich, distanziert, abweisend.

Sie starb nach einigen Jahren frostiger Ehe. Der Arzt diagnostizierte einen Herzanfall.

Nur der einzige Sohn wusste, dass sie an gebrochenem Herzen starb. An enttäuschten Träumen.

Nach dem Tod seiner Frau brachte Herr Braun seinen Sohn in einem Internat unter. Eine Einrichtung, von der er glaubte, sie würde ihm die notwendigen Tugenden für dieses Leben beibringen. Natürlich hätte auch Herr Braun selbst diese Aufgabe übernehmen können, doch dann hätte er weniger Zeit gehabt Geld zu verdienen, dass er ausgeben konnte, damit seinem Sohn Manieren und Tugenden beigebracht werden.

Nicht nur seine Frau, auch sein Sohn starb an gebrochenem Herzen. Er verstarb nicht körperlich, sondert verendete im Geist. Gezüchtigt durch das Internat, allein gelassen durch den Vater.

Herr Braun hielt flüchtigen Kontakt zu dem Jungen. Eine Woche in den Sommerferien nahm er ihn bei sich auf, ließ ihn den gemeinsamen Garten pflegen und verabschiedete ihn wieder in das Internat.

Herr Braun liebte niemanden.

Und niemand liebte Herr Braun.

Fortsetzung folgt.

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